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Montag, 17. Juni 2019

Schlanke Innovation - Fördertöpfe viel zuwenig genutzt!

R_Stueck
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen können staatliche Fördermittel für Firmen hilfreich sein. „Es gibt eine große Menge an Fördermitteln, speziell für Mittelständler und Firmengründer, die sich teilweise sehr gut miteinander kombinieren lassen", sagt der Unternehmensberater Reinhard Stück aus Nürtingen, der sich auf dieses Thema spezialisiert hat. Allein: Die Fördertöpfe würden viel zu wenig in Anspruch genommen, hat er festgestellt. Dabei, so Stück, könne das staatliche Fördergeld sogar dazu beitragen, von den Banken leichter Kredite zu bekommen.

Herr Stück, Sie sagen, Fördermittel von Bund oder Land würden von den Betrieben zu wenig genutzt. Woran liegt das?

Mein Eindruck ist, dass Förderprogramme noch immer den Makel des „Amtsschimmels" haben. Daran ist meines Erachtens die Aufmachung der Programme mit schuld, weil die Broschüren oder Internet-Auftritte eher abschreckend oder verwirrend wirken. Dabei ist der bürokratische Aufwand sehr begrenzt und nicht vergleichbar mit den bürokratischen Monstern der Vergangenheit. Der Hauptgrund ist aber sicherlich, dass die Leute die Programme einfach nicht kennen und gar nicht wissen, was alles gefördert werden kann. So wird der Begriff „Innovation" von vielen Unternehmern zu stark auf klassische Entwicklungsprogramme begrenzt gesehen, was so nicht stimmt. Selbst innovative Dienstleistungen und Prozessveränderungen können gefördert werden, wenn man weiß, wie es geht.

Was kann zum Beispiel alles gefördert werden?

Im Rahmen des Konjunkturpakets II der Bundesregierung wurde zum Beispiel das Programm ZIM für mittelständische Betriebe bis 1000 Mitarbeiter erweitert. Der Topf ist mit 1,5 Milliarden Euro gefüllt geworden. Die Idee von ZIM ist es, den Innovationsstandort Deutschland zu fördern. Das Programm ist sehr weit gefasst. Ein gefördertes Projekt, das gerade umgesetzt wird, ist zum Beispiel ein System, das Touristen punktgenau zu besonderen Attraktionen bis hin zu einzelnen Skulpturen führen kann. Das ist ein Netz von kleinen Dienstleistungsfirmen, die das machen. In den meisten Firmen gibt es Pläne für neue Entwicklungen, bei denen man aber momentan zögert, ob man es machen soll. ZIM möchte hier einen Schub geben. Oft sind es ganz einfache Innovationen. Man sollte den Mut haben, zu probieren, eine Förderung zu bekommen.

Wie viel Fördergeld kann man bekommen?

Kleinere Firmen können bei diesem Programm bis 40 Prozent der Personalkosten für Entwicklungen als nicht rückzahlbare Zuschüsse bekommen, größere Unternehmen 25 Prozent. Im Maximalfall gibt es 350 000 Euro, aber das erreicht praktisch kein Mittelständler. Leider hat meine Recherche bei Unternehmen und Verbänden ergeben, dass dieses Programm in unserer Region recht unbekannt ist und wenig genutzt wird. Es gibt eine schier unüberschaubare Menge an Fördermitteln, die sich teilweise sehr gut miteinander kombinieren lassen. Die Firmen zum Beispiel, die dieses Jahr beim Innovationspreis des Landkreises Esslingen mitgemacht haben, die sollten wissen, dass es dafür Fördermittel gibt.

Welche weiteren Förderprogramme gibt es?

Es gibt zum Beispiel eine Beratungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen, bei der man Zuschüsse bekommen kann für die Analyse der Unternehmenssituation oder für Beratungen hinsichtlich wirtschaftlicher oder technischer Fragen. Das Land Baden-Württemberg fördert zum Beispiel Frauen im ländlichen Raum, die sich selbstständig machen möchten.

Sehr interessant für die hiesigen Betriebe ist das Programm DEMEA. Dabei geht es darum, den Materialeinsatz in Produktion und Logistik zu reduzieren. Gefördert wird hier die Beratung, die Analyse der Prozesse und der Aufbau eines neuen Materialkonzepts. Bis zu 70 Prozent der Kosten können gefördert werden, maximal 100 000 Euro. Es geht dabei um Kosteneinsparung. Laut DEMEA - das ist die Deutsche Material Effizienz Agentur - haben Unternehmen im Schnitt Potenziale zur Verbesserung der Umsatzrendite von 2,5 Prozent ausgewiesen. Interessant ist dies auch deswegen, weil die Ergebnisse ohne Personaleinsparungen erreicht werden. Die sensiblen Personalthemen sind hierbei gar nicht tangiert. Und: Kreditvergaben für Investitionen aus diesen Projekten werden erleichtert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau zum Beispiel hat ein sehr hohes Vertrauen in die geförderten Projekte, weil diese den harten Test der Prüfung durch die Demea durchlaufen haben. Man kann also auf pfiffige Weise die Kreditklemme entschärfen und wird dabei sogar noch gefördert.

Stichwort Banken: Dort müsste man doch über solche Förderprogramme Bescheid wissen und die Kunden darauf hinweisen.

Meine Vermutung ist es, dass bei vielen Banken diese Fördertöpfe nicht bekannt sind oder auch als Konkurrenz gesehen werden, damit die Innovationen mit eigenen Krediten finanziert werden. Dabei lässt sich beides doch kombinieren: Die Banker sagen, sie könnten dem Betrieb kein Geld mehr geben, weil nicht genug Sicherheiten da sind. Wenn der Betrieb jetzt aber zum Beispiel ZIM-Zuschüsse bekäme, dann sähe dies ja wieder anders aus.

Mancher Unternehmer hat womöglich auch Skrupel, auf Fördermittel zuzugreifen, weil er sich sagt, dass da vielleicht ein Haken an der Sache ist?

Die Mitarbeiter der Agenturen, die die Fördermittel ausgeben und darüber befinden, haben ein Interesse daran, die bewilligten Gelder in die Unternehmen zu bringen, denn daran werden sie gemessen. Das ist der Charme dieser Programme: Wenn man sie beantragt, kommt man nicht als Bittsteller, sondern gewissermaßen als Unterstützer.

 

Quelle: Interview in der NürtingerZeitung vom 9.1.2010 von Henrik Sauer mit dem Unternehmensberater Reinhard Stück, 4L Gruppe

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