Donnerstag, 20. September 2018

Wie gut ist der Mittelstand auf volatile Märkte vorbereitet?


Die Volatilität der Märkte hat in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. Das stellt insbesondere das Management globaler Wertschöpfungsketten vor völlig neue Aufgaben. Deutschlands gehobener Mittelstand gilt als Gewinner der Globalisierung - aber ist er auch für die neuen Herausforderungen im Supply Chain Management gerüstet? Dieser Frage widmet sich die Studie "Atmende Supply Chains: Wie gut ist Deutschlands gehobener Mittelstand auf volatile Märkte vorbereitet?" von SMI und Lünendonk, die jetzt in der BrainNet Science Edition erscheint.

Wie können Unternehmen sich erfolgreich in volatilen Märkten behaupten und die Krisenanfälligkeit ihrer Wertschöpfungsketten durch den Einsatz neuer Instrumente und Methoden in Management und Planung reduzieren? Diese Frage bildet die Motivation einer neuen Studie des Supply Chain Management Institute (SMI) an der EBS Business School und des Marktforschungsunternehmens Lünendonk, welche jetzt in der BrainNet Science Edition erscheint. Die Autoren haben Top-Entscheider führender deutscher Mittelständler zu Themen rund um Marktvolatilität, exogenen Schocks, Zukunftsplanung und SCM-Strategien befragt. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Zunehmende Volatilität und heftige Schockauswirkungen:
Unternehmen erwarten eine sehr deutliche Zunahme der Marktvolatilität und eine höhere Frequenz der Markt- und Konjunkturzyklen. Lieferanten, Rohstoffe, Wettbewerbsintensität und Kunden weisen dabei eine besonders hohe Veränderungsdynamik auf und sind aus SCM-Perspektive potenzielle Krisenherde. Sie rechnen mit deutlicher Zunahme der Auswirkungen exogener Schocks, verursacht insbesondere durch den globalen Aktionsradius und die hohe Integration der Wertschöpfungsketten.

"In den Ergebnissen der vorliegenden Studie zeigt sich deutlich, dass volatile Märkte zu einem neuen Paradigma für das Supply Chain Management werden. Globale Wertschöpfungsketten müssen im Hinblick auf diesen Wandel neu aufgestellt werden: es gilt, sie flexibler und adaptiver - lebendiger - zu machen", kommentiert Sven Marlinghaus, Partner und Managing Director bei BrainNet und Herausgeber der BrainNet Science Edition. "Diese Aufgabe erfordert neue Kompetenzen und Instrumente, veränderte Qualifikationsprofile und vor allem eine neue Art des Managements, das sich ebenfalls durch Flexibilität, Intuition und die Bereitschaft, in Alternativen und Szenarios zu denken, auszeichnet."

SCM auf der Vorstands-Agenda:
Die steigende Bedeutung des Supply Chain Managements für den unternehmerischen Gesamterfolg äußert sich in immer engerer Vernetzung mit anderen Unternehmensbereichen und zunehmender Management-Attention. Diese Bedeutung spiegelt sich jedoch noch nicht ausreichend in der Organisation wider.

Neue strategische Instrumente und Methoden:
Die Mehrheit der Unternehmen ist im Begriff, interne Abläufe und Strukturen den globalen Trends anzupassen. Dabei zeigen sie wachsendes Interesse für innovative Planungstechniken (Szenarien, Roadmapping, Zukunftswerkstätten), die klassische Verfahren (Prognosen, Trendfortschreibung) ergänzen sollen, um sich effektiver auf ein komplexes und volatiles Marktumfeld vorbereiten zu können. Gleichzeitig geben die Unternehmen an, auch im Bereich des Financial Supply Chain Risk Managements und der Kennzahlensysteme starke Defizite zu haben.

"Eine wichtige Lehre aus der Wirtschafts- und Finanzkrise ist, dass mittelständische Unternehmen von externen Schocks oftmals heftiger und überraschender getroffen werden als Großkonzerne", sagt Dr. Heiko von der Gracht, Direktor des Center für Zukunftsforschung und Wissensmanagement am SMI und Koautor der Studie. "Eine effiziente, flexible und strategisch gesteuerte Supply Chain hilft, turbulente Zeiten ohne nachhaltige Substanzverluste zu überstehen und ermöglicht auch kleineren Partnern in der Wertschöpfungskette das Überleben."

"Die Tatsache, dass der gehobene Mittelstand bereits so starkes Interesse an neuen Management-Methoden und -instrumenten zeigt, belegt, dass die Unternehmen den tiefgreifenden Wandel in ihrem Marktumfeld erkannt haben und sich systematisch auf die Veränderungen einstellen", ergänzt Jörg Hossenfelder, Geschäftsführender Gesellschafter der Lünendonk GmbH und Koautor der Studie. "Damit haben sie eine sehr gute Ausgangsposition, um auch zukünftig in der ersten Liga der globalen Wirtschaft mitzuspielen."

Lieferantenintegration hat höchste Priorität:
Die Einbindung von Lieferanten und Kunden in die Optimierung der Supply Chain wird als die wichtigste Aufgabe betrachtet, um in volatilen Märkten zu bestehen. Mehr als ein Drittel der Unternehmen zählt darüber hinaus strategisches Lieferantenmanagement zu den zentralen Ansätzen, um besser auf exogene Schocks vorbereitet zu sein.

Flexibilität ist oberstes Gebot:
Die Unternehmen befassen sich intensiv mit der Optimierung der Prozess- und Kostenstruktur, insbesondere im Hinblick auf die Flexibilität und Adaptivität ihrer Supply Chains.

Balance zwischen global und lokal:
Unternehmen im gehobenen Mittelstand sehen sich gut gerüstet, um in globalen Märkten die Supply-Chain-Ressourcen und
-Strukturen lokal umzusetzen und die Balance zwischen der Durchsetzung zentraler Policies und ihrer lokalen Adaption zu erhalten.

Unterschätzte Zukunftsthemen:
Die Gewinnung und Entwicklung von High Potentials für das SCM sowie der Aufbau ökologisch und sozial nachhaltiger Supply Chains rangieren auf den hintersten Plätzen in der Liste strategischer Prioritäten der befragten Unternehmen. Gleichzeitig weisen beide Themen auch den geringsten Reifegrad aller untersuchten SCM-Dimensionen auf.

"Strategische Qualifizierung und die Ausrichtung der Wertschöpfungsketten an ökologischen und sozialen Kriterien gehören neben der Marktvolatilität zu den Entwicklungen, die das Supply Chain Management in den nächsten Jahren am stärksten beeinflussen werden. In diesem Bereich setzen Deutschlands Unternehmen heute Standards", so EBS-Präsident Prof. Christopher Jahns. "Um diese Führungsrolle auch zukünftig zu behaupten sind jedoch erhebliche Anstrengungen notwendig. Hier müssen Wirtschaft, Forschung, Lehre und Politik an einem Strang ziehen."

Info: www.brainnet.de

 

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