
Die zehnten Ulmer Gespräche, zu denen die Ingenics AG jährlich ins Stadthaus am Münsterplatz lädt, geriet zum vorläufigen Höhepunkt der Veranstaltungsreihe. Dafür spricht nicht allein der große Andrang – mit über 180 Führungskräften aus Unternehmen kamen mehr Besucher als je zuvor –, auch die Referenten erwiesen sich als brillant. Wer aufgrund des Themas „Strategie, Planung, Prozessgestaltung. Und dann? So aktivieren Sie den Faktor Mensch – und Ihre Systeme werden laufen lernen" einfache Rezepte für den unternehmerischen Erfolg erwartet haben sollte, dürfte aufs Angenehmste „enttäuscht" worden sein. Tatsächlich kommen viele Gäste immer wieder nach Ulm, gerade weil sie wissen, dass sie hier brauchbare Erkenntnisse gewinnen, ohne ein Vertriebs-Event über sich ergehen lassen zu müssen.
Wie üblich hatte Ingenics zwei prominente Redner eingeladen, deren Vorträge nachhaltige Denkanstöße geben und Anlass zur Auseinandersetzung bieten sollten. Nach wenigen Sätzen von Oliver Herkommer zur Lage des Unternehmens – im Jahr 2009 konnte man bei rückläufigen Umsätzen sämtliche Mitarbeiter halten und immerhin 35 Neukunden gewinnen, 2010 wird der „Vorkrisen-Umsatz" von 2008 erreicht, in China wird man um mindestens 300 Prozent wachsen – berichtete der Dirigent, Musik-Produzent und Buchautor Christian Gansch, was Führung im Orchester bedeutet. Bei seinen Tätigkeiten als „Sinfonischer Consultant" und Manager bei Universal Music habe er sich häufig darüber gewundert, wie inkonsequent in der Wirtschaft geführt werde („schöne Worte, keine Umsetzung"). Mit hinreißender Rhetorik und zahlreichen Musikbeispielen erklärte er, wie mit Handwerk, Technik und Disziplin „aus Solisten Symphoniker werden", indem sie „aufeinander hören und miteinander handeln" lernen, aber auch warum Veränderungen – im Unternehmen wie im Orchester – stets emotionale Akzeptanz brauchen.
In seinem Vortrag „Ganzheitliche Management-Konzepte, die wirken", erklärte Vorstand Jörg Herkommer am Beispiel des Ingenics-Shopfloormanagements, wie Unternehmen ohne Umsetzungslücke – das Delta zwischen den Möglichkeiten des Systems und dem tatsächlichen Nutzungsgrad – „von der Vision über das System zur Nachhaltigkeit" gelangen. Auch wer die zentralen Aufgaben – Konzentration auf wertschöpfende Tätigkeiten in Produktion und Administration, operative Exzellenz und kontinuierliches Optimieren – begriffen und gelöst hat, so das Fazit, muss bedenken: „Das tollste System bringt nichts, wenn wir nicht den Menschen mitnehmen."
Wie man „viel arbeiten und trotzdem gut leben" kann, erklärte zum Abschluss des offiziellen Programms die als „Dr. Stress" bekannte Ärztin, Moderatorin und Filmautorin Dr. Sabine Schonert-Hirz. Die Stressmanagement- und Gesundheitsexpertin machte deutlich, warum Stress unsere wichtigste Energiequelle ist und wie man – gleich ob als Führungskraft oder Mitarbeiter – erkennt, ob die gesunde Balance von An- und Entspannung noch gegeben ist.
Mit der Erkenntnis, dass der Mensch im Unternehmen – oder Orchester – mehr ist als ein „Faktor" unter anderen und wertvollen Anregungen für die Führungsaufgabe „Optimierung des Systems" nahm jeder Besucher etwas mit, was sich im eigenen Unternehmen Gewinn bringend umsetzen lässt. Der Tag, der von intensiven Begegnungen in angenehmer Atmosphäre geprägt war, ging schließlich direkt in einen anregenden Abend mit „Flying Dinner" über – und war damit im doppelten Sinne eine Veranstaltung mit Mehrwert.
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